Impro: Spannungsbögen

Kleine und große Magie

Im Improvisationstheater gibt es viele Gelegenheiten für diese kleinen, magischen Momente, in denen auf der Bühne jemand überraschend (auch für sich selbst) über sich hinaus wächst. Die große Magie der Improvisation aber – das, was die Leute selbst heute noch dazu bringt zu sagen „das war doch nicht improvisiert“, „so was geht doch überhaupt nicht“ – liegt darin verborgen, einen Bogen zu spannen. Einen Bogen zu spannen über ein Thema, von einem Anfang zu einem Ende, Bezüge herzustellen und vielleicht sogar eine Moral, denn das ist letztlich das, was den Unterschied ausmacht zwischen zehn zufällig gewählten Minuten aus einem Leben und einer Geschichte.

Das Geheimnis guter Impros

Das Geheimnis guter Impros in diesem Punkt ist folgendes:  Man kann eine Vielzahl winziger Entscheidungen so aneinander reihen und so aufeinander beziehen, dass am Ende etwas dabei heraus kommt, dessen Form alle Kriterien von planender Absicht erfüllt. Man muss das Große Ganze nicht schon sehen, bevor man beginnt. Es geht sogar ohne dass man während der Geschichte das Große Ganze sieht, auch wenn eine gute Intuition hier sehr hilft. Die gelebte Evolution, Anpassung on the go, statt geplantem Design.

Gute Spannungsbögen – Wie geht das?

Wenn man bereit ist, den Ort aufzugeben, an den die eigene Idee einen am Anfang bringen will und sich aktiv dafür entscheidet, bei den anderen zu bleiben, kommt man vielleicht nicht an seinem eigenen Ziel für die Szene an. Aber man kommt an. Gemeinsam. Und beim Publikum.

Der Spannungsbogen ergibt sich von allein, wenn mindestens eine Figur in diesen Hinsichten beweglich ist: Status, Emotion, Ziel, Meinungen; und zugleich fest bleibt in dieser Hinsicht: Charakter und Körperlichkeit (oder Mantra). Die Beweglichkeit resultiert daraus, dass ein Impro lernt, einen Körperanker zu installieren und ihn als Filter zu spüren, durch den alles Wahrgenommene gefärbt wird. Wenn ein Impro das schafft, ist der Kopf komplett frei und offen für das Wahrnehmen der Spielpartner. Dann ist die Beweglichkeit von Status, Emotion, Ziel und Meinungen natürlich, spontan, authentisch, ohne Denkaufwand und ohne Zeitverzug. Eine Technik, die im Grunde sehr einfach ist, aber Übung braucht. Zum Glück macht sie aber auch mehr Spaß als alle anderen.