Neuro: Gehirn – Schlaf – Luzides Träumen

Neuro: Gehirn – Schlaf – Luzides Träumen

Dieser Artikel antwortet auf die folgende Anfrage:

„Der Zusammenhang des Gehirns mit dem Schlaf: Wie werden Erinnerungen/ Gelerntes vom Vortag im Schlaf konsolidiert und wie hängt dies mit dem Träumen zusammen? Das Beeinflussen des Traumes durch luzides Träumen. Wie könnte man diesen Zugriff auf’s Unterbewusstsein erweitern? Natürlich mit der Frage verbunden, ob luzides Träumen/Klarträumen gefährlich ist?

Das ist ein sehr breites Thema, vielleicht kannst Du es etwas eingrenzen und differenzieren. Fänd ich sehr spannend.“

Auf geht’s!

GiraffeDer Zusammenhang des Gehirns mit Schlaf

Schlaf ist ein vielschichtiger Vorgang, den sich alle Gehirne, von denen wir wissen, regelmäßig unterwerfen. Wie viel Schlaf ein Wesen braucht, korreliert lose mit der Größe bzw der Masse des Tieres. Insekten haben nur sehr kurze Wach-Phasen und schlafen über 80% der Zeit, manche Mäuse schlafen 20-22 Stunden am Tag, Katzen 13-15, Giraffen nur drei. Schlaf ist etwas, das für Gehirne absolut essenziell ist und dessen Störungen mit massiven akuten und chronischen Ausfällen zusammenhängt.

Akute und chronische Ausfälle

Menschen brauchen im Median 8 Stunden Schlaf pro Nacht. Studien zeigen: Nach nur einer einzigen Woche mit nur 6 Stunden Schlaf pro Nacht hat ein Mensch eine Reaktionszeit wie mit 1,0 Promille Blutalkohol, ist also volltrunken und nicht fahrtüchtig. Gleichzeitig gaben die Probanden an, volkommen fit und wach zu sein. Ebenso wie jene, die nur 4 Stunden schliefen und kurz nach ihrer Angabe teilweise beim Experiment am Tisch einschliefen. Menschen sind also extrem anfällig für Schlafentzug und zeigen sehr schnell drastische Ausfallerscheinungen. Gleichzeitig sind sie für diese Ausfallerscheinungen offenbar fast vollkommen blind. Beides zusammen sollte uns zu denken geben, insbesondere, weil unsere Entscheidungsträger aus Politik und Management gerne damit kokettieren, dass sie eigentlich nie mehr als 3 oder 6 Stunden Schlaf bekommen. Und nein, es gibt keine Hinweise darauf, dass Menschen sich an Schlafentzug gewöhnen können. Sie bemerken einfach nicht, wie stark sie abbauen und wie ihr Interesse, ihre Kreativität und ihre Lust auf Herausforderungen und Neues schwinden.

In meinen eigenen Schlafexperimenten wurden meine Gedanken immer weniger, die Musik im Kopf hörte auf, meine Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu durchdringen war vermindert und das Bewältigen des Alltags wurde zu einer mechanischen Abfolge von Handlungen. Wenn Sie Montage (also eigentlich: Ihren Job) hassen, gehen Sie mal in sich und überlegen Sie mal, worauf Sie in der letzten Woche richtig Lust hatten, worauf Sie Vorfreude hatten, wann Sie das letzte Mal lauthals gelacht oder eine Melodie vor sich hin gesummt haben. Wenn nichts davon vorkam, liegt es vielleicht gar nicht (nur) an Ihrem Job. Vielleicht sind Sie auch einfach nur chronisch übermüdet.

Wer noch stärkeren Schlafentzug aufhäuft, darf – neben verzögerter Reaktion und Konzentrationsproblemen – mit dem gesamten Arsenal psychischer Ausfallerscheinungen rechnen: Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Verfolgungswahn, schizophrene Episoden.

SchlafmangelChronischer Schlafentzug kann von Fettleibigkeit und Diabetes über Psychosen, Gedächtnislücken und Herzerkrankungen quasi das gesamte Spektrum der Gesundheit angreifen. Schlafstörungen bilden mit den meisten psychischen Erkrankungen einen Teufelskreis mit Henne-Ei-Problem. Schlafentzug verschärft die Symptome von Demenzen und Schizophrenie auf mehrere Arten zugleich. Man kann Schlafmangel mit Fug und Recht zu den drei wichtigsten Säulen von Krankheit zählen (Einsamkeit, Bewegungsmangel, Schlafmangel). In Kombination mit Sinnlosigkeit sind diese drei der perfekte Killer – ein Bausatz für Burnout. Wenn Sie wissen wollen, wie es Ihnen in fünf Jahren geht: Suchen Sie nach diesen vier Einflüssen in Ihrem Leben.

Was ist Schlaf?

Schlaf ist ein komplexer, in Phasen unterteilter Prozess, der etliche Aufgaben zugleich erfüllt für uns. Im Tiefschlaf wird das Glymphatische System aktiviert, welches Stoffwechselabfall fortspült, etwa so, wie Regen den Unrat mittelalterlicher Dörfer durch sogenannte Schissgässchen fortgespült hat. Außerdem werden, wenn der Tiefschlaf im Dunkeln passiert, wichtige Stoffe für Zellreparaturen im gesamten Körper bereitgestellt – der Begriff Schönheitsschlaf hat also durchaus seine Berechtigung. Wer regelmäßig zu wenig schläft, ist mit Zellreparaturen hinterher und sieht natürlich älter aus als sein Paralleluniversum-Zwilling, der genügend schläft.

TräumerIm R.E.M.-Schlaf (von rapid eye movement, schnelle Augenbewegung) träumen wir. Alle Menschen träumen, alle Menschen träumen mehrmals pro Nacht. Wenn der Nachtschlaf lange genug ist, fünf- bis sechsmal in einer Nacht, meistens etwa alle anderthalb Stunden. Die Fähigkeit, sich daran zu erinnern, die Träume bewusst zu erleben oder sogar einzugreifen sind aber unterschiedlich verbreitet. In diesen Phasen werden neue und gebrauchte Verbindungen im Gehirn nochmals aktiviert und für die Myelinisierung vorgemerkt. Myelinisierung heißt „Ummanteln mit Myelin“, einer Fettschicht, die wie das Plastik eines Kabels die eigentliche Verbindung schützt – nicht genutzte Verbindungen werden nämlich entfernt.

Übermüdung

Welche Verbindungen aktiviert werden und wo diese sind, bestimmt natürlich, was wir träumen. Weil wir für gewöhnlich mit geschlossenen Augen im Dunkeln an einem ruhigen Ort schlafen, ist die Reizmenge aus den Sinnesorganen viel geringer als tagsüber. Neurone justieren sich automatisch nach, wenn besonders viele oder besonders wenige Signale auf sie enprasseln. (Auf dieser Eigenschaft basieren zum Beispiel Komplementärfarbeneffekte, Hyperfarben oder auch die halluzinatorischen Effekte in Floating Tanks. Weil Nervenzellen sich also von selbst empfindlicher und unempfindlicher machen, können die vergleichsweise schwachen und punktuellen gehirninternen Reize während des Traumschlafes viel leichter bis ins bewusste Erleben durchschlagen als sie es bei Tage könnten, wo unser Hirn und Bewusstsein mit Gigabytes von visuellen und anderen sonsorischen Daten überflutet werden.

Je nachdem, wie leicht der Schlaf ist und wie aktiv die mit dem Wachbewusstsein assoziierten Hirnbereiche im frontalen Cortex sind, desto mehr kann das Wachbewusstsein mitbekommen bzw. desto größer sind auch die Chancen, in einen laufenden Traum einzugreifen. Wer dagegen chronisch übermüdet ist, wird wahrscheinlich nicht die Willenskraft und die Hartnäckigkeit aufbringen, die man auf dem Weg zum luziden Traum braucht. Wer übermüdet ist, hat einfach keine Lust, auch noch im Traum wach und aktiv zu sein. Übermüdete Menschen wollen in der Regel einfach ihre Ruhe haben.

Traumdeutung

Vermutlich ist es überraschend, so eine Überschrift in einem Artikel wie diesem zu lesen. Aber es gibt viele Menschen, die sich mit Traumdeutung befassen, deswegen möchte ich dazu hier kurz Anmerkungen machen. Weil im Gehirn aktive Bahnen im Traum nochmals angeworfen werden, kann ein bewusstes Mitverfolgen oder zusammenfassendes Nachvollziehen der eigenen Träume durchaus einen gewissen Einblick in die Dinge geben, die uns gerade beschäftigen. Aber nicht jeder Traum beinhaltet eine verwertbare, aussagekräftige Mischung. Ein gutes Indiz für die Aussagekraft eines Traumes über die eigenen Themen sind zwei Dinge:

Welche Träume deuten

Warum?

Aufwachträume am Morgen finden dann statt, wenn das Aufwachprozedere auf eine Traumphase fällt. Dieses Aufwachprozedere besteht, bildhaft gesprochen, darin, dass das Retikuläre System, ein Kabelverbund aufsteigender, anregender Bahnen, Aktionspotentiale in die oberen Gehirnteile pumpt, um diese Teile des Gehirns aufzuwecken. Die im Keller schalten also sozusagen den Strom an, der denn in die oberen Stockwerke fließt. Die Besonderheit im Gehirn ist aber, dass „Aktivität“ immer auch ein Signal ist. In der Architektur des Gehirns gibt es keine Trennung zwischen „Stromführenden Leitungen in der Wand“ und „Computern, die im Zimmer stehen und rechnen“ – beides fällt hier zusammen. Wenn Verbindungen aktiviert werden, weil jemand einfach alle Hebel auf AN stellt, dann stellen diese Aktivierungen gleichzeitig ein Erleben dar – und das ist natürlich wegen der zufälligen Verteilung dieser nach oben gepumpten Energie total chaotisch.

Koma

In der Intensiv-Neurologie kennt man dieses Problem auch, allerdings in einer verschärften Form. Das normale Aufwachen eines Menschen ist ein ziemlich geordneter Prozess, der evolutionär auf Hunderte von Millionen von Jahren der Optimierung zurück blickt. Menschen, die aus dem Koma geholt werden oder von selbst erwachen, haben diesen geordneten Prozess jedoch nicht. Der Aktivierungsstrom sorgt für totales Chaos in allen steuernden Einheiten, auch der sehr basalen für die Steuerung körperlicher Grundfunktionen. Diese sogenannte vegetative Krise kann einen Menschen so destabilisieren, dass er durch rasante, unkoordinierte Schwankungen von Körpertemperaur, Atmung, Herzschlag und Blutdruck in Lebensgefahr gerät. Das Chaos eines Aufwachtraumes ist hiermit verglichen zwar harmlos – daraus aber Rückschlüsse auf die eigene Persönlichkeit oder aktuelle Themen zu ziehen ist ohne Aussicht auf Erfolg. Darum: Aufwachträume nicht deuten.

Zu Zweitens: Wenn ein Traum eine halbwegs geordnete Handlung und eine tragende Emotion aufweist, ist er ebenfalls eher dafür geeignet, für eine Deutung herzuhalten. Auch in Hirnarealen, die für Emotionen und emotionales Bewerten und Lernen zuständig sind, finden R.E.M.-Erregung und Myelinisierung statt; Dinge, die uns emotional aktivieren und emotional prägen sind naturgemäß auch eher jene, die uns bewegen und beschäftigen. Hier ist die Fährte, der man folgen sollte.

aktiver luzider Traum

Zu guter Letzt möchte ich den Rat geben, Objekte, Symbole und Ereignisse in Träumen nicht mit archetypischen Listen zu interpretieren, sondern die eigene Formen- und Bildsprache als Maßstab anzulegen. Es gibt höchstens eine Handvoll archetypischer Symbole, die meiner eigenen Erfahrung nach eins zu eins „wie im Buch“ gedeutet werden können. Seien Sie stattdessen ehrlich und offen sich selbst gegenüber. Wer tagsüber offen und aufmerksam durchs Leben geht, sollte keine schwierigkeiten haben, die eigenen Traumbilder und –emotionen in „aussagekräftig“ und „chaotisch“ zu sortieren und anhand der eigenen gedanklichen und emotionalen Bildsprache zu interpretieren. Wenn man diese einfachen Regeln befolgt, hat man weitaus größere Chancen, die eigenen Träume treffend einzuordnen und aus ihnen etwas zu lernen (und nicht nur durch sie).

Luzides Träumen

Luzides Träumen heißt, dass man im Traum selbstbewusst wird; damit ist Selbstbewusstsein im eigentlichen Sinn des Wortes gemeint, nicht im umgangssprachlichen Sinn, wo „Selbstbewusstsein“ eigentlich Selbstvertrauen meint. In einem luziden Traum stehen uns jene Prozesse zur Verfügung, die Informationen darüber bereitstellen, wer wir sind sowie die Erkenntnis, dass das momentan Erlebte ein Traum ist, dass also der Ursprung unserer erlebten Realität zu einem noch größeren Teil aus uns selbst kommt als im Wachzustand, wenn der Reizeingang aus den Sinnesorganen einen viel höheren Anteil an unserem Bewusstsein hat.

Eine Ausbaustufe von luzidem Träumen ist der aktive luzide Traum, in welchem der Träumer Kontrolle nocht nur über seine eigene Handlungen erhält, sondern darüber hinaus über die Traumwelt selbst. Die Träumerin kann in solch einem Traum buchstäblich alles erschaffen und tun, das sie sich vorstellen kann.

In meiner Pubertät habe ich damit intensiv experimentiert. Ich war ein Rollenspiel-Geek und war es darum gewohnt, mir ungewöhnliche, nichtalltägliche Dinge detailreich vorzustellen.

intensive Träume

Weil die innere Grafikkarte auf Vollgas läuft, weil man einen großartigen Spielleiter hat (danke, Jochen), dann nimmt man diese Features mit in den Traumschlaf herüber. Um den Effekt zu beschreiben, möche ich als Metapher einen Egoshooter herbeiziehen. Stellt euch vor, ihr hättet plötzlich einen viel besseren Rechner, wodurch ihr eine bessere Auflösung habt, einen höheren Detailgrad, mehr Elemente, ihr könnt weiter sehen und die Farben sind intensiver. Außerdem werden die Figuren in den Träumen plausibler, autonomer und beginnen, „im Hintergrund“ Dinge zu tun und Sachen zu wissen, die der Träumer nicht weiß.

Weil ich es also gewohnt war, Ungewöhnliches zu sehen, kamen solche Dinge natürlich auch in meinen Träumen vor. Menschen, die ihr ganzes Leben in Fantasiewelten leben, verbreiten gerne den Mythos, Rollenspieler würden den Kontakt zur Realität verlieren. Das ist ungefähr so, als würde man behaupten, ins Kino zu gehen, ein Buch zu lesen oder als Kind ein Märchen vorgelesen zu bekommen würde einem den Blick für den Unterschied zwischen Realität und Fantasie nehmen. Diesen Mythen zum Trotz war ich in der Lage, die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen ziemlich treffend einzuschätzen. Darum war es, wenn ich von einem anstregenden Tag in der Schule nach Hause kam und mir in der Tiefgarage, durch die ich musste, ein Löwe mit Menschengesicht und Skorpionschwanz entgegen sprang, für mich ziemlich einfach, daraus abzuleiten, dass ich gerade träumte. Ich begann, mit Wenndann-Haken zu arbeiten, welche inzwischen auch von Psychologen für das Erreichen jeder Art von Ziel empfohlen werden:

Wenn Dann Verknüpfung

Das ist eine Wenn-dann-Kombination mit Auslöser, ein Haken. Sie können damit experimentieren, wie allgemein oder spezifisch Sie diese Auslöser machen. Wenn Sie Ihre Traumelemente gut kennen, können Sie es auf einen spezifischen Auslöser ankommen lassen („Wenn ich WIEDER einen Oktopus im Fahrstuhl schweben sehe, wache ich auf und weiß, dass es ein Traum ist“). Ansonsten müssen Sie damit leben, dass Sie sich auch tagsüber immer wieder mal aktiv fragen, ob das jetzt ein Traum sein könnte. Das ist gutes Training; am Anfang werden Sie ab und zu mal daneben liegen und einen Traum für bare Realität halten.

Gegenreaktion

Mein Gehirn hat mich über einen mehrwöchigen Prozess aus den luziden Träumen wieder herausgeschoben. Das funktionierte so, dass wir einen Wettstreit dieser Auslöser hatten. Meine Träume wurden immer normaler und alltäglicher, bis meine Auslöser kaum noch griffen. Immer wieder fiel mir eine kleine Ungewöhnlichkeit auf, wodurch ich den Einstieg in den Traum schaffte, mit dem Ergebnis, dass der folgende Traum noch gewöhnlicher war. Schließlich träumte ich einen Schultag, mit Mathe und Englischunterricht und Pause. Wir holten uns Cola am Getränkeautomat und Eiswürfel dazu. Nach dem Traum stellte sich heraus, dass der Getränkeautomat das Exzentrischste war, das ich in dieser Nacht geträumt hatte. Es gab zu diesem Zeitpunkt keinen Getränkeautomaten an dieser Stelle der Schule. (Inzwischen gibt es einen, und zwar in genau der Farbe und genau an der Stelle, an der ich ihn träumte – aber, immerhin, ohne Eiswürfelfach). Ach komm, dachte ich da, darüber hätte ich drauf kommen sollen, dass ich träume? Es war mein letzter Traum aus der Luzide-Ära. Ich bin geneigt zu glauben, dass das eine Art Schutzmechanismus des Gehirns gewesen sein könnte. Warum?

Nun, wie weiter oben beschrieben, werden Muster, die den Tag über angelegt oder viel gebraucht wurden, im Traum nochmals aktiviert und für die Myelinisierung vorgemerkt. Wenn man jetzt mitten im Schwertkampf gegen die eigenen Monster im Keller realisiert „hey, Moment mal, das hier ist ein Traum. Ich erschaffe mir jetzt lieber mal einen Sessel und schwebe damit über mein Heimatdorf, um die Auflösung meiner inneren Grafikkarte zu testen“, dann werden natürlich andere Bahnen aktiviert und der eigentliche Lernprozess wird umgangen – oder zumindest beeinflusst. So gesehen ist es vermutlich besser, wenn zumindest nicht jeder Traum luzide und den Unterhaltungsgelüsten der Träumerin unterworfen ist.

Sprachen von Hirnarealen

Wie könnte man diesen Zugriff auf’s Unterbewusstsein erweitern?

Im Gehirn gilt: Wer fragt, sendet ein Signal. Wer oft fragt, bekommt immer öfter Antwort. Wer immer wieder fragt, wird automatisch informiert, ohne noch fragen zu müssen. Wer seine innere Grafikkarte oft bemüht, sich oft nach seinen Gefühlen und Meinungen erkundigt, seine Empathie bewusst erlebt, der wird aus diesen Regionen auch immer mehr Informationen zur Verfügung, also ins Wachbewusstsein, bekommen. Allerdings kommen Informationen natürlich in der Sprache oder Verarbeitungsform, die in dieser Hirnregion läuft: Emotionen, Bilder, Erinnerungen, Vergleiche, Assoziationen.

Grundsätzlich kann man sagen:

Wachbewusstsein

Bei hoch abstrakten Inhalten mag das anders sein, aber grundsätzlich ist das Wachbewusstsein das letzte, das irgendetwas erfährt. Darum ist es auch so schwierig, sich mit einer Brigitte-Gurkendiät selbst hereinzulegen.

Idylle

Wer viel fragt, zieht damit Bahnen zwischen den angefragten Arealen und den Arealen des Wachbewusstseins. Das funktioniert bei Aufmerksamkeits-basierenden Formen von Meditation nachweislich – diese Bahnen können mit bildgebenden Verfahren sichtbar gemacht werden. In der Meditation üben wir zugleich, den automatisierten Zusammenhang zwischen Reiz/Bild/Emotion und Reaktion zu entkoppeln und unser Wachbewusstsein dazwischen zu schalten, um dessen Einfluss zu vergrößern und um im Alltag Zeit zu gewinnen, in welcher sich die verschiedenen Persönlichkeitsaspekte harmonisieren können, ehe wir als Gesamtheit eine Reaktion einleiten, anstatt die reflexhafte Reaktion unseres Gehirns nur zu bemerken und vor uns und den anderen im Nachhinein zu rechtfertigen.

Wer einen Kanal aufgebaut hat, über den er Fragen senden kann, kann auch Anweisungen senden. Wer Einfluss auf sein Befinden und seine Fähigkeiten bekommen will, muss erstmal eine Kontaktanfrage senden und regelmäßig mit diesen Hirnarealen chatten – und zwar auf der Sprache, den diese Areale verstehen. Und wenn dann eine Freundschaft ensteht, dann kann man mal versuchen, Wünsche zu äußern oder Einfluss zu gewinnen. Das braucht vor allem Wiederholung und Motivation, ist aber ansonsten nicht sonderlich schwierig. Ist ein bisschen wie Marathon laufen – kann im Prinzip jeder lernen, weil Kondition einfach zu gewinnen ist. Wenn man es wirklich will.