Impro: Geistesgegenwart

Das Ziel

Wir alle wünschen uns Schlagfertigkeit, Geistesblitze, und im Flow über uns hinaus zu wachsen. Leider spielen unsere urzeitlichen Überlebensinstinkte in die entgegengesetzte Richtung, Stichwort PANIK! Abgebrühtheit kann zwar helfen, sie verringert aber nur den Effekt, den Spannung und Aufregung auf uns haben – auch die förderlichen. Besser ist es, mit der Aufregung anders umzugehen und seine Aufmerksamkeit gezielt zu steuern. Das hilft zudem, bei Anspannung trotzdem zu funktionieren und die Geschichte voran zu treiben, anstatt in den Kopf zu geraten und das Problem zwischen den Zahnrädern des Verstandes zu zerreiben. Außerdem kann man die Anspannung dann genießen; sie wird vom Gegner zum Teil des Erlebnisses.

Das Hindernis

Anspannung durch Ratlosigkeit in einer Drucksituation sorgen bei Menschen regelmäßig zu denselben Reaktionen: Panik, Blackout, Nachdenkkrämpfe. Wer war nicht schon in so einer Situation und hätte sich mehr Geistesgegenwart gewünscht? („Ich hätte sagen sollen…!“ – „Warum habe ich nicht einfach…?“). Obwohl das nicht nur auf der Bühne gilt, können wir die Resultate hier sehr direkt beobachten.

Das erste Symptom dieser Panik ist, dass wir den Kontakt zu den anderen abbrechen und die Aufmerksamkeit nach innen lenken, auf unser sprachliches, analytisches Denken. Das sieht dann so aus: Wir schauen mit leerem Blick durch den Boden, um unsere Gedanken besser zu hören. (In einem Hut-Spiel ist das der Augenblick, in dem unser Mitspieler uns die Kopfbedeckung vom Haupt nimmt). Das Wachbewusstsein versucht, die Situation zu durchdringen, um Kontrolle zu erlangen. Beim Impro brauchen wir aber den Kontakt zu den anderen. Obendrein geht es beim Impro ja eben darum, die Kontrolle zu verlieren insofern, als wir uns wiederholt Situationen aussetzen, deren Ausgang wir nicht antizipieren können. Solange wir den Zielpunkt im Blick haben und die Geschichte einfach abspulen können, kann das unterhaltsam sein, aber es geht an der Grundidee von Impro vorbei und entfaltet für das Publikum auch nicht die gleiche Faszination – für die Impros erst recht nicht.

Das zweite Symptom ist, dass wir die Führung übernehmen. Wir erklären den anderen mit vielen komplizierten Worten, wie genau unser Rettungsplan aussieht, damit die folgen können. Die anderen sprechen aber die ganze Zeit dazwischen (mit ihren Rettungsplänen) und hören überhaupt nicht zu, deswegen liefert man andere, bessere Ideen nach; natürlich ohne Erfolg. Zu diesem Zeitpunkt haben die Impros den Kontakt zueinander abgebrochen und legen Ideen wie Eier auf die Bühne, bis die Gruppe knietief in Omelette steht.

Der Weg zur Geistesgegenwart

Wir können üben, unsere Aufmerksamkeit gezielt auf andere Dinge als unsere Ideen und das Innere unseres Kopfes zu legen. Als Schlagworte heißen die beiden Auswege aus diesem „Ideenkrieg zwischen den Impros auf der Bühne“ Sinnlichkeit und let your partner shine. Beide legen Pfade offen zu Inspiration, die nicht auf Ideen basiert; echter Inspirationskunst also. Was das im Detail bedeutet und wie man das üben kann – dazu gibt es viele tolle Ansätze. Letztlich basieren sie alle darauf, die eigene Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper, die eigene Gefühlswelt oder auf diejenigen des Bühnenpartners zu lenken.