Impro: Bühnenformate

Das Ganze im Blick

Einem Bühnenformat zu folgen, hat gewisse Vorteile. Vor einem Duo-Auftritt hatte ich mal einen Dialog, der ungefähr so ging:

Ich: „Un. Was machen wir heute?“

Er: „Schau’n wir mal. Die Leute bring‘ Bücher mit.“

Ich: „Ah.“

Wir hatten riesig Spaß und das Publikum war begeistert. Wenn man das Glück hat, gute Leute um sich herum zu haben und mit denen auch noch gut eingespielt ist, kann so etwas durchaus klappen.

In der Regel ist das Festlegen eines Rahmens aber eine gute Orientierungshilfe und unter fast allen Umständen sehr empfehlenswert. Zum Glück gibt es einen Satz bewährter Bühnenformate.

Self-handicapping für Künstler

Es gibt bei einigen deutschen Improgruppen, nicht unbedingt unter den erfahreneren, so eine Art unausgesprochenes Credo, dass man „alles improvisieren“ muss. Neben natürlich völlig verpönten inhaltlichen Absprachen gilt es an manchen Orten schon als Schummeln, den Impros zum Beispiel vor einem Theatersport-Auftritt zu sagen, welche Games an dem Abend gespielt werden. Wie viele Spiele deswegen schon zerschellt sind. Auch strukturelle Vorgaben sind mancherorts geächtet; meiner Erfahrung nach oft dort, wo der künstlerische Wert „reiner“ Improvisation hoch gehalten wird. Manchmal so hoch, dass die Impros an ihn gar nicht heranreichen.

Impros, so scheint der Tenor, müssen möglichst stark gefordert werden, damit alles riskant ist. Strukturen sind wie Stützrädchen und damit entweder für Impros ohne Mumm oder für Schummler. Dazu sage ich: Jein. Natürlich ist es richtig, die Impros zu fordern und zu überraschen. Und inhaltliche Absprachen helfen ohnehin nur, wenn sie so vage und grob sind, dass man auch ohne die Absprache drauf hätte kommen können – wodurch sie nutzlos werden. Doch Impros in einem Vakuum hängen zu lassen, ohne eine Orientierungshilfe, das ist ein Handicap, von dem niemand etwas hat. Weder die Impros, noch das Publikum.

Lieber einfach gut als kompliziert mittelmäßig

Deutsche Impros machen es sich oftmals so schwer wie möglich und sind glücklich, wenn sie irgendwas hinbekommen, das – „gewürgt, aber geturnt“ – den Regeln der Herausforderung gerecht wird, anstatt es – und da gehen zum Beispiel einige kanadische und US-amerikanische Mannschaften mit gutem Beispiel voran – sich leicht zu machen und sich dank des niedrigeren Komplexitätsgrades für brilliante Ergebnisse feiern zu lassen. Das erzielen sie durch offiziell angekündigte oder einfach verwendete Bühnenformate.

Das ist ein umfassendes und oft kontroverses Thema. Ich höre gerne viele unterschiedliche Meinungen dazu. Angebote, meine Sichtweise durch zusätzliche Argumente zu verfeinern oder komplett umzudrehen, nehme ich gerne an.

Folgende Bühnenformate biete ich an:

  • Sämtliche Formate, die auf Games basieren und mit Keith Johnstone’s Theatersport/Meaestro etc. verwandt sind sowie die zugehörigen Games selbst
  • Die Heldenreise – eine gute Einsteiger-Langform
  • Der Harold – ein sehr freies und vielseitiges Format, dass ich eher erfahrenen Spielern und Spielerinnen empfehlen möchte
  • Wohnzimmerparty – ein freieres Format von Charna Halpern für erfahrene Spieler/-innen
  • Cat’s Cradle – ein sehr offenes und sehr aktives und abwechslungsreiches Format, auch von Charna Halpern, für eine gut eingespielte Gruppe oder für eine, die es werden will.
  • Kill the dog – eine sehr ausgetüftelte, universelle Form von Dad’s Garage in Atlanta. Geeignet für Gruppen, die sich tief mit einem Format auseinandersetzen und in professionellem Rahmen solide, abendfüllende Geschichten erschaffen wollen.
  • Solo Impro – die gefürchtete Königsdisziplin.

Andere Formate und Formen, an die ich vielleicht beim Auflisten nicht gedacht habe, auf Anfrage. Ich bin generell neugierig auf eure Ideen und auf neue Formate oder Varianten.