Impro: Beats und Rhythmen

Haufen oder Mannschaft

Eine tolle Szene wirkt wie eine gut durchdachte Komposition, obwohl sie beim Improtheater eher mit dem Ergebnis einer mutigen, respektvollen Jam-Session vergleichbar ist. Wenn Mut und Respekt in Schieflage stehen, entstehen Szenen, Geschichten oder sogar Auftritte, die ganz offensichtlich von Einzelnen geführt werden, während andere überwiegend folgen. Einfluss und Anzahl von Beiträgen sind ungleich verteilt und diejenigen mit mehr von beidem werden – je nach Sympathielage – als Publikumsliebling oder als Rampensau bezeichnet.

Eine solche Schieflage kann aber nicht nur durch zuviel oder zuwenig Mut oder Respekt oder durch ihre Ungleichverteilung entstehen, sondern auch durch mangelnde Erfahrung oder Technik. Die Impros achten zu wenig auf Beats und fallen deshalb immer wieder aus dem gemeinsamen Rhythmus.

Beats: Geben ist schwierigier als nehmen

Beats zu spüren, ist relativ schnell gelernt. Dazu gibt es eine Reihe von zielführenden Übungen. Sie aus einem Instinkt heraus regelmäßig zu setzen und damit Publikum und Mitspielenden Klarheit zu verschaffen, das ist eine Frage von Training und Übung. Wer die Beats beherrscht, kann sich daran ergötzen, wie die Zuschauenden wie bei einem packendem Tennismatch das offen stehende Gesicht nach links, rechts und wieder links drehen, ohne dass die Spielenden auf der Bühne sich groß bewegen oder abmühen müssen. Fenster für andere Impros zu lassen ist eine der größten Herausforderungen für diejenigen, die Impro am meisten genießen, die jungen, wilden, die bis zu den Haarwurzeln in Adrenalin und Dopamin schwimmen.

Das Geschenk von gutem Rhythmus und einer guten Basslinie

Wer Beats gut setzt, muss auch nicht nonstop „liefern“, sondern sorgt dafür, dass das Publikum die Phasen, in denen die Spielenden den letzten Beat auf sich wirken lassen, als Spannungsmoment erleben und genießen kann. Dazu gehört eine bestimmte Art zu sprechen und resultierend auch eine bestimmte Weise zu denken, oder noch genauer, zu reagieren. Diese Art zu reagieren ist letztlich das Ziel, auf das Anfänger mit der teilweise missverständlichen Faustregel „keine Fragen stellen!“ ausgerichtet werden sollen.

Ein Allheilmittel

Die Konzentration auf Beats löst noch weitere Probleme gleich mit; Fokus wird dadurch einfacher. Charakterarbeit vereinfacht sich. Szenen werden nicht mehr zu Tode erklärt. Publikum und Spielende können den Spannungsbogen besser nachvollziehen. Die Tendenz, um den heißen Brei herumzureden, anstatt die Szene voranzutreiben, wird abgemildert und letztlich hilft die Technik bei dem für die Verbesserung des Spiels unverzichtbaren Schritt, verbale Sprache durch Körpersprache zu ersetzen. Gute Ensembles erkennt man daran, dass sie aktiv und gemeinsam gute Beats setzen. Die mussten das aber auch alle erst lernen.