Impro: Aktives Zuhören

Sich zum Gegenstand der Veränderung machen

Aktives Zuhören – und das gilt nicht nur auf der Bühne – heißt, sich verändern zu lassen. Auf der Bühne müssen wir auf mehreren Ebenen zugleich aktiv zuhören und das fällt besonders schwer, wenn wir in den Kopf geraten oder von einer Idee allzu begeistert sind. Obendrein soll das Zuhören durch den Filter des verkörperten Charakters gehen und zu authentischen, unverzögerten Reaktionen führen. Aktives Zuhören heißt nicht nur, die Angebote der Mitspielenden zu bemerken und auf sie einzugehen, sondern auch jene Angebote aufzugreifen, welche die Mitspielenden unbewusst oder versehentlich machen. Die wichtigsten Angebote sind natürlich immer jene, die nicht ausgesprochen werden.

Aktives Zuhören: Elemente koppeln und entkoppeln

Damit das klappen kann, muss ein Impro Charakter und Meinung festhalten und dabei zugleich in Emotion, Energie und Status dünnflüssig bleiben. Und sollte dabei nicht das Ohr des Regisseurs verlieren, um zu hören, wohin die Geschichte laufen kann. Auch für Impro-Profis immer wieder eine Herausforderung. Mit dem Verstand allein ist das nicht zu leisten, doch zum Glück gibt es andere, spannende Möglichkeiten, diese Vielfalt an Anforderungen parallel zu erfüllen, ohne wahnsinnig zu werden. Und wenn man das kann, macht es einen Heidenspaß.

Spüren statt verstehen

Wer mit dem Körper und den Eigenheiten, die er ihm bei der Erschaffung der Figur gegeben hat, spürt, was die andere Figur in Wahrheit sagen will, erhält ein emotionales Echo, das sofort auf die Beziehungsebene führt – den Ort, an dem die echte Dynamik stattfindet. Das ermöglicht es, Impros miteinander Szenen zu spielen, die verschiedene Sprachen sprechen. Die Wichtigsten Dinge auf der Bühne werden immer mit den Körpern gesagt (siehe Die Füße sagen immer die Wahrheit). Sprache dient auf der Bühne nur dazu, zu zeigen, wer die Wahrheit vertuschen will und auf welche Weise jemand lügt. Ein Satz, der die Wahrheit ausformuliert, hat dramaturgisch keine Funktion. Niemand interessiert sich für mehr als zehn Sekunden dafür, was die technischen Details des vom Teufel erschaffenen Carbon-Bobbycars sind oder was genau der enttäuschte Ehemann seiner Frau vorwirft. Aber dass der Teufelsjünger aber die Seele seines Bruders dafür verspricht und dass man sehen kann, wie es ihm dabei geht und dass der Ehemann zwar geht, wir aber sehen können, dass er sie noch nicht aufgegeben hat, das interessiert uns als Zuschauende.

Darum: Reduzieren wir Worte über weite Teile eines Abends auf ein Minimum. Sie sind Beiwerk und verlocken nur dazu, Kontrolle über die Szene und die anderen Impros auszuüben. Aktives Zuhören heißt eigentlich: Dem anderen das Nervenkostümchen hinhalten und spüren, was passiert, wenn der andere es berührt.